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Netzstecker - Rundstecker Bauformen
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MGW51
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Beitrag1/1, Verfasst am: 03.02.2014, 15:55   

Betreff:   Netzstecker - Rundstecker Bauformen
Zusatz:       Beschreibung und Anwendungshinweise
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In diesem Thread werden wir alle uns bekannten Steckerformen ohne Schutzkontakt auflisten und auf ihre Schwachstellen sowie besonders positive Merkmale hinweisen. Wie die einzelnen Kontaktstücken dann jeweils zu konfektionieren sind, wird in einem anderen Thread gesondert dargestellt.
Es bleibt zu hoffen, daß diese Ausführungen eine Entscheidungshilfe darstellen, wenn einmal ein alter, defekter Rundstecker ersetzt werden muß. Ob das jeweilige Modell mit einem VDE-Zeichen geziert ist wird freilich auch erwähnt - für den Ersatz spielt es natürlich keine Rolle. Hier muß der Anwender letztlich nach eigenem Ermessen eine Auswahl treffen.

Beginnen wir mit der klassischen Bauform, bestehend aus zwei symmetrischen Halbschalen in denen die Kontaktstifte in der Längsachse eingesetzt und die fortführende Geräteanschlußleitung in gleicher Richtung herausgeführt wird.


Dieser Stecker aus der Gleichstromära zählt zu den besten Geräten seiner Art. Er ist zugelassen für 6A/250V und trägt u.a. das VDE-Zeichen. Für die korrekte Belegung (bei Gleichstromgeräten) sorgt deutlich sichtbar das eingravierte, mit weißer Ölkreide ausgelegte "+".
Der Hersteller dieses Steckers agierte unter dem Markennamen "FELMAS" bis in die 70-er Jahre (oder länger?) in der DDR. Ob danach nur der Name verschwand oder die Firma, kann ich nicht beantworten.

Zum Innenleben:

Hier wird erkennbar, daß es zu sauber verzinnten, ordentlich geformten "Ösen" keine praktikable Alternative gibt. Aufzupressende Ösenringe aus Messing bleiben dem Fachmann vorbehalten und auch dieser wird sie, samt der erforderlichen Spezialzange, nicht (mehr) in jedem Falle verfügbar haben.

Wie ein verlöteter Anschluß aussehen soll, wird an anderer Stelle gezeigt.

Was von außen nicht ohne weiteres erkennbar ist, ist die mechanische Qualität des Steckers. Der alte Gleichstromstecker erweist sich auch hier als überragend in der Handhabung. Sowohl die metallene Zugentlastung, welche zugleich auch die Gegenmutter für die Deckschale bildet arbeitet auf entsprechend kräftige Kegelzähne die im Bakelit des Steckerunterteiles gegossen sind. Die Kontaktstifte selbst sind absolut fest mit dem Unterteil verbunden; da wackelt nichts und man müsste schon den Hammer bemühen um die Stifte herauszuoperieren. Dementsprechend läßt sich dieser Stecker auch sehr gut konfektionieren.


Zum Vergleich sehen wir links einen modernen Rundstecker, ebenfalls für 6A/250V klassifiziert, aus DDR-Produktion.
Modern dehalb, weil es danach nichts neues mehr gab - also bitte nicht falsch verstehen!
Es schaut so aus, als ob auch bei diesem die hier hartverchromten Kontaktstifte fest sitzen würden - dem ist leider nicht so! Ein bissel schütteln und sie fallen heraus. Die ZE ist zwar auch aus profiliertem Metall, wird aber von außen festgeschraubt - eine Lösung die nicht optimal und auch nicht unumstritten ist! Zu allem Überfluß sitzt sie auch noch sehr nahe an der Austrittsöffnung und eine wirksame Profilierung wie bei dem alten Gleichstromgerät ist hier auch nicht vorhanden. Bauartbedingt kann leider auch kein wirksamer Knickschutz montiert werden. Dieser Stecker besitzt kein VDE-Prüfzeichen. Als Herstellerzeichen ist ERU eingeprägt, daneben finden wir die DDR-Prägung, so daß es keine falsche Zuordnung geben kann. Auch hier ist ein vernünftiger Anschluß nur mit dem Lötkolben realisierbar. Obwohl diese Bauform in Schwarz wie in Weiß millionenfach benutzt wurde, mussten die Nutzer nicht reihenweise "ins Gras beißen". Gefahr ist immer relativ und wenn wir bedenken, daß unsere Geräte zumeist eine Stromaufnahme im Milliamperebereich haben, sollte auch klar werden daß diese Geräte auch nicht annähernd in ihrer Leistungsfähigkeit herausgefordert werden. Die meiste Gefahr geht unbestreitbar von der Zugentlastung aus. Wird diese unsachgemäß angebrummt, so kann eine elektrisch leitende Verbindung mit einem Pol der Netzspannung entstehen. Im ungünstigsten Falle liegen dann 230 Volt auf den beiden Schrauben und wenn eine davon locker wird, weil sie beispielsweise aus dem Gewinde ausreißt, dann gibt es keinen Schutz vor einer Körperdurchströmung mit Netzspannung! Das hat also überhaupt nichts damit zu tun, daß dieser Stecker keinen Schutzkontakt besitzt - der könnte das auch nur dann verhindern, wenn er direkt mit der Zugentlastung eine bauliche Einheit bilden und in einer vorschriftsmäßig installierten, funktionstüchtigen Schukodose kontaktiert werden würde.

Weiterhin sehr Nachteilig ist, daß bauartbedingt die Kontaktstifte recht wackelig - auch bei angeschlossener Leitung - sind. In diesem Umstand begründet sich der schleichende Abriß einzelner Litzendrähtchen direkt hinter der Verlötung. Das verursacht eine Querschnittsverjüngung, diese wiederrum führt zu höherer Strombelastung der verbleibenden Drähtchen, es kommt zur Erwärmung im Bereich der Klemmung, das Lot wird weich und damit die Klemmung locker, es folgt ein erhöhter Übergangswiderstand bis zur beginnenden Verkohlung der Betriebsisolierung und letztlich - wenn nichts schlimmeres passiert - zum Auslösen der Sicherung für die Zuleitung infolge eines Kurzschlusses / Lichtbogenbildung im Stecker. Grrr - nun, mit Sorgfalt und Umsicht kommt es garantiert nicht dazu! Doch das hat jeder Betreiber selbst in der Hand.

Fassen wir zusammen:
Der moderne weiße Stecker besitzt einige konstruktive Mängel, die seine Verwendung zwar nicht ausschließen aber dem Anwender, der Geräte mit solchen Steckern betreibt, bekannt sein sollten.

Es gibt einige, äußerlich sehr ähnliche Stecker verschiedener Epochen und Hersteller, auf die das hier gesagte so nicht ohne weiteres übertragbar ist. Ohne eine Öffnung und genaue Inspektion wird man das auch nie sagen können.

Ein weiteres Modell kommt ebenfalls in Weiß daher. Seine Wiege stand irgendwo in Italien.


Ein besseres Bild schiebe ich bei Gelegenheit nach.


Es handelt sich hier um die Marke AAG, das Gehäuse ist so geformt, daß es mühelos in normale Schukosteckdosen paßt. Die gefiederten Kontaktstifte sichern einen guten Halt und eine stimmige elektrische Verbindung. Auch gut zu erkennen, daß die Platzverhältnisse im Inneren so bemessen sind, daß hier mit Aderendhülsen ein optimales arbeiten möglich ist. Von Endstiften dagegen ist abzuraten.
Dieses Gerät ist klassifiziert für 10A/250V - recht kühn für eine solche Preßluftnummer die nichtmal über eine vernünftige Zugentlastung, die diesen Namen auch verdient hätte, verfügt. Doch es kommt noch dicker!
Die Kontaktstifte schlackern im Gehäuse nur so herum weil es keine ordentliche Verdrehsicherung gibt. Nur wenn der Stecker exakt wie vorgesehen konfektioniert wird, bleibt den Stiften eine Beweglichkeit von ca. 20° erhalten. Dazu müssen die Schrauben immer senkrecht in das Unterteil zeigen und keinesfalls waagerecht - wie hier im Bild demonstriert - zu liegen kommen. Die Auslaßöffnung schließlich erlaubt sicher nur den Anschluß von Zweidrahtleitung. Mit PVC-Schlauchleitung von 2x0,5mm² könnte sie gerade noch zurecht kommen - getestet habe ich das noch nicht - es lohnt einfach nicht!

Fazit:
Als Ersatz auf keinen Fall zu empfehlen!


Kommen wir zu einer anderen Bauform, eine die nach meiner Auffassung als besonders gelungen bezeichnet werden kann und welche wohl die größtmögliche Sicherheit bietet, die ein Stecker für zweiadrigen Anschluß bieten kann.


Im einzelnen verdienen folgende Details besondere Beachtung:
Die Klassifizierung lautet auch hier 6A/250V - ein VDE-Zeichen fehlt auch an diesem Gerät. Das Gehäuse besteht aus einem topfförmigen Grundkörper dem ein einfacher, leicht gewölbter, von einer Zentralschraube gehaltener Deckel aufgesetzt ist. Es gibt nichts kantiges, der Stecker liegt ausnehmend gut in der Hand und er macht auch optisch eine gute Figur. Die Gehäusegestaltung ist so gewählt, daß ein nachträgliches "passendmachen" für Schukosteckdosen sicher auszuschließen ist. Beim eingesteckten Stecker gibt es keinerlei direkt oder indirekt berührbare Metallteile. Auch im Fehlerfalle geht von diesem Gerät somit keine Anwendergefährdung aus.

Die Zugentlastung wird von außen verschraubt, jedoch sind diese Schrauben ebenso wie die Deckelschraube berührungssicher im Frontbereich, unter bzw. zwischen den Kontaktstiften, angeordnet. Die Zugentlastung selbst wird von dem profilierten Blechlaschen einerseits und einer profilierten Gegenfläche im Grundkörper gebildet. Der Umstand, daß die ZE auch sehr nahe dem Auslaß angeordnet ist, darf nicht falsch bewertet werden. Gegenüber den konventionellen Rundsteckern ist hier der Kabelauslaß senkrecht zur Wandsteckdose angeordnet. Damit entfällt der Dauerknick und es wird einer Überbeanspruchung mit unausbleiblichen Ermüdungsbrüchen der Isolation und der Litzendrähte wirksam vorgebeugt.
Bei diesem Modell ist es möglich, unverzinnte Litzenenden mittels aufgepreßter Aderendhülsen zu montieren. Die Klemmstellen sind dazu mit Verdrängungssicherungen versehen. Kabelendstifte sind allerdings nicht einsetzbar! Verzinnte Enden, zum Halbmond gebogen können auch stilecht montiert werden. Die Verdrängungssicherung ist über einen Bereich von 180° wirksam - das ist nicht zu erkennen, es beschränkt sich in dem Falle also nicht auf den "Blechlappen"!

Die Kontaktstifte selbst sind bombenfest im Gehäuse eingegossen, eine Nietverbindung mit den recht kräftigen Anschlußlaschen sorgt für niedrigen Übergangswiderstand. Zudem verhindert die formschlüssige Einbettung dieser Laschen eine unzulässige Übertragung des Drehmomentes beim Anzug der Klemmschrauben.

Diesen Steckertyp kann ich uneingeschränkt zur Ersatzbestückung empfehlen.


Einen weiteren Rundstecker stelle ich Euch hier vor. Er stammt natürlich auch aus frühester DDR-Produktion der Jahre 1951/52 und befindet sich seitdem an einer Hand-Löschdrossel aus dem Funkwerk Leipzig (FWL) die zu einem Tonbandgerät BG19-1 als Zubehör geliefert wurde. Hier erstmal ein Bild des Kandidaten:


Beim zweiten Hinsehen ist erkennbar, daß dieser Stecker mit dem VDE-Prüfzeichen versehen ist. Völlig zu Recht. Der Stecker verfügt über keinerlei berührbare Metallteile welche im Fehlerfalle stromführend werden könnten. Die Zentralschraube ist innen völlig mit Isolierstoff umgeben, eine metallene Zugentlastung existiert ebensowenig wie es die dafür erforderlichen Klemmschrauben gibt.

Wer diesen Stecker als Ersatz an eines seiner Geräte anbauen möchte, muß sich im klaren darüber sein, daß ein korrekter Anschluß nur mit einem sachgerechten Abbund wie er im folgenden Bild zu sehen ist vorgenommen werden kann.

Das bedingt zudem die Verwendung der dafür erforderlichen, textilarmierten und -bewehrten zweidrähtigen Anschlußleitung. Damit nicht genug, die Leitung muß auch mechanisch und elektrisch in ordentlichem Gebrauchszustand sein. Eine Durchschlagsprüfung sollte in jedem Falle gemacht werden denn nur allzu oft ist die Betriebsisolierung der Einzelleiter bröckelig wie Prasselkuchen - dieser Zustand ist durch bloße Inaugenscheinnahme leider NICHT feststellbar. Um es mal verständlicher zu formulieren: Würdet Ihr unbesehen 50 Jahre alte Reifen auf Euer Auto montieren um damit in den Urlaub zu fahren? Die bestehen aus dem gleichen Gummi, der in den Zuleitungen die Betriebsisolierung, also das, worin unmittelbar die aus einzelnen feinen Drähtchen bestehende Seele des Leiters steckt, stellt.

Die Antwort ist wohl klar Smile
Es wird auch mit so einem Stecker immer eine Einzelfallentscheidung sein müssen weil man das gesamte Umfeld in keine allgemeingültige Norm pressen kann.

Hochwertige Leitungen gab es auch damals schon - man erkennt sie daran, daß die Litze verzinnt ist; also nicht als Bündel sondern jedes einzelne Litzendrähtchen für sich! Zinn reagiert bedeutend freundlicher zu Gummi und zudem kann so eine Leitung auch sehr gut an den Enden verlötet werden. Das ist bei diesem Stecker für eine fachgerechte Konfektionierung erforderlich - Ösenringe stellen sicher die große Ausnahme dar, sind aber in jedem Fall zu bevorzugen.


An dieser Stelle noch etwas grundsätzliches, was leider immer wieder FALSCH interpretiert wird.
Der Anschluß von verzinnten Litzenenden:
Man liest es oft, das macht es nicht automatisch richtig, daß es verboten sei, Litzenenden in Netzsteckern durch verzinnen anklemmbar zu machen. Diese Aussage ist so schlicht falsch!

Als Argumente werden Sachverhalte angeführt, welche für sich betrachtet durchaus richtig und zutreffend sind, die aber in Verbindung mit einem historischen Netzstecker meistens, wenn nicht gar immer keinerlei Bedeutung haben - vorausgesetzt der Anschluß und die Montage des jeweiligen Steckers werden sachgerecht vorgenommen. Dazu gehört auch eine erhöhte Umsicht, die schlicht aus der heute fehlenden Routine im Umgang mit diesen alten Geräten erforderlich wird.
Wenn wir mal von der Hohen Schule eines korrekten Abbundes ausgehen, dann ist es wohl jedem klar, daß das nicht in zehn Minuten erledigt sein kann, daß man da durchaus eine Stunde veranschlagen darf, ehe ein sauberer Abbund fertig und der Stecker angeschlossen ist. Die Sache läßt sich auch nicht beschleunigen indem man auf moderne, textilummantelte Anschlußleitung zurückgreift denn diese hat einen anderen Aufbau, ist im Grunde eine Gummischlauchleitung "mit Wolle außen drumrum". Sie kann und darf nicht in den zuletzt gezeigten Stecker montiert werden weil damit die Gefahr des Schalenbruches besteht. Der Gummimantel ist insich viel zu widerborstig um sich mit den Zugentlastungsdornen auf friedliche Weise zu vereinen.
Also bitte immer Stecker und Anschlußleitung als ein harmonisches Paar betrachten!

Eines der Argumente die gegen ein verzinnen angeführt werden lautet, daß die einzelnen Litzendrähtchen hinter dem verzinnten Ende nach und nach abbrechen würden oder könnten.
Da kann ich nur sagen: Würden wöllten sie vielleicht doch können konnten sie es nicht!
Sie können nicht brechen weil die Übergangsstelle Lot zu blanker Litze in einem ordentlichen Stecker absolut unbeweglich zwischen der eigentlichen Klemmstelle und der Zugentlastung - kann man auch als Auszugssicherung bezeichnen - fixiert ist.
Litzendrähtchen in Anschlußleitungen brechen sowieso bei langanhaltendem Gebrauch! Doch sie brechen eben niemals innerhalb eines Steckers sondern stets erst nach der vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Knickschutzeinrichtung. Nur bei solchen Geräten wie dem weiter vorn gezeigten und empfohlenen Modell, bei dem die Ableitung konstruktiv und ohne jede Biegebeanspruchung im rechten Winkel zu den Kontaktstiften herausgeführt wird, kommt es nicht zu den obligatorischen Ermüdungsbrüchen.

Weiters wird ins Feld geführt, daß die säurehaltigen Flußmittelreste zur Korrosion der Litzendrähtchen hinter der Zinngrenze führen.
Dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen - sofern man mit Lötfett, Salmiakstein und Salzsäure hantiert. Lötfett - da steht irrsinnigerweise immer "säurefrei" drauf obwohl es das nie ist - soll tunlichst nicht zu den Arbeitsmitteln gehören, ist aber in seltenen Fällen nicht gänzlich zu vermeiden! Flußmittelreste müssen danach peinlichst mit Waschbenzin ausgelöst werden.

Der Argumentation, daß sich Klemmschrauben auf verlöteten Litzenenden im Laufe der Zeit von alleine lockern kann manentgegensetzen, daß dieser Prozeß nicht auf Netzanschlußstecker begrenzt ist sondern in der gesamten E-Technik zu beobachten ist. Er ist in hohem Maße von der fließenden Stromstärke abhängig - somit im Bereich der haushaltsüblichen Unterhaltungselektronik vollkommen belanglos.

Ein anderes Argument kann hier ebenfalls als unzutreffend zurückgewiesen werden - die Gefahr daß das verzinnte Ende beim anziehen der Klemmschraube zerquetscht wird oder gar bricht.
Dazu ist eindeutig zu sagen, daß es bestimmte Eignungskriterien gibt, welche einen Anschluß sowohl mit Flachkopfschraube als auch mit Druckschraube für das Anlegen verzinnter Litzenenden qualifizieren. Im Umkehrschluß gibt es natürlich eine ganze Reihe von Steckern, die durch die Ausführung ihrer Klemmstellen geradezu die Benutzung von Aderendhülsen zwingend voraussetzen! Da muß der Anwender eben ganz genau hinschauen, ehe er sich für eine oder die andere Möglichkeit entscheidet. Wenn eine Flachkopfschraube gegen eine glatte, unprofilierte und ohne Ausweichschutz versehene Unterlage drückt, dann darf dort nur eine Ösenanschlußtechnik gewählt werden. In diesen Fällen sind logischerweise auch Endhülsen unzulässig!
Wenn eine Druckschraube auf eine bewegliche Druckplatte drückt, ist das einführen eines verzinnten Litzenendes absolut korrekt; aber eben nur dann! Es ist ebenso korrekt, den Abschluß mittels Endhülse vorzunehmen und in wenigen Fällen kann auch ein Endstift benutzt werden obwohl dieser nur bei einer Druckschraube ohne Druckplatte sinnvoll ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß im Zweifelsfalle Hilfe und Rat bei jedem Handwerksmeister eingeholt werden kann. Mir ist auch bewußt, daß nicht jeder Bastler / Sammler in seinem Fundus eine Hochspannungsprüfeinrichtung stehen hat. Ich habe zwar eine, die tut es aber lediglich bis 6 kV, stufenlos in zwei Bereichen (0...3 und 0...6kV) regelbar und nach heutigen Richtlinien nicht mehr zulässig. In meinem Alter werde ich aber nicht in Neues investieren zumal mir mein Gerät mit der kräftigen Ausbrennstufe doch lieber ist Smile Die neueren Modelle schalten aus Sicherheitsgründen bei 5 mA bereits ab. Wer also nicht die Möglichkeit hat alte Bauteile auf ihre elektrische Sicherheit zu prüfen, muß eben doppelt umsichtig sein.


Ich habe hier versucht, ein wenig aufzuhellen, worauf man bei der Wiederherstellung des Netzanschlusses mit historischen Steckverbindungen achten sollte. Die unbeschreibliche Vielzahl der Bauformen kann man unmöglich zusammentragen. Gleichwohl werde ich bei Gelegenheit weitere interessante Bauformen hier ergänzend beschreiben. Bleibt zu hoffen, daß es auch gelungen ist, den Mythos VDE ein wenig aus dem Nebel zu holen - oder auch etwas zu entzaubern denn nicht alles wo kein VDE-Zeichen drauf ist, ist minderwertig - im Gegenteil! So wenig wie ein Schokostecker an ein 30-er Jahre Radio gehört, so wenig gehört ein 50-er Jahre Rundstecker an eine moderne Hifi Anlage! Ein Patentrezept was immer gilt, kann und wird es nie geben.
Achtung Ironie:
Wenn ich mir so die primitiven amerikanischen Netzinstallationen ansehe, wundere ich mich nur, daß dieses Volk sich noch nicht selbst ausgerottet hat - die machen irgendwas falsch aufdentischhau

_________________
Grüße aus der Lausitz von MichaelZ.

Die Reform der Rechtschreibung ist ein Symptom dafür, daß die Deutschen ihre Sprache nicht lieben.
(Eugen Ruge, Schriftsteller, 2018)
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