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Gleichrichter - Selengleichrichter formieren
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MGW51
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Beitrag1/1, Verfasst am: 22.12.2007, 10:32   

Betreff:   Gleichrichter - Selengleichrichter formieren
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Das hier beschriebene Verfahren eignet sich grundsätzlich für alle Selensäulen, solange sie noch NICHT riechen!

Ein Selengleichrichter verliert bei stromloser Lagerung seine Sperrfähigkeit. Warum das so ist und was dabei genau für Prozesse ablaufen, ist für uns erstmal nicht von Bedeutung. Die größten Chancen einer Reaktivierung bestehen bei wirklichen Dachbodenfunden, welche noch keine aktionistischen Inbetriebnahmeversuche erleiden mussten. Aus dem Wissen um diesen Sachverhalt resultiert die Vorgehensweise beim Ersatz eines Selengleichrichters durch ein neues Exemplar. Dabei wird das Gerät auch nur für ca. 15 Minuten an die halbe Betriebsspannung gelegt. Anschließend, wird die gleiche Zeit die Spannung auf 3/4 erhöht und danach, falls keine unzulässige Erwärmung auftrat, wird für eine halbe Stunde die volle Betriebsspannung angeschaltet. Anschließend schaltet man das Gerät stromlos, bis die Säule vollkommen erkaltet ist. Nun sollte die Sperrfähigkeit wieder weitestgehend hergestellt sein. Die natürliche Alterung hingegen ist m.W. nicht reversibel.

Gleich vornweg: Nicht jedes kranke Exemplar eines Gleichrichters ist zu retten.

Bedingung ist, daß die Säule selbst frei ist von Korrosion und Brandstellen (von einzelnen Platten mal abgesehen) und daß die Platten schön glatt sind, keine Beulen oder Blasen zu erkennen sind.

Sofern einzelne Elemente die genannten Fehler zeigen, müssen sie durch gleichwertige Teile ersetzt werden. Das freilich setzt voraus, daß man über ausreichend Organspender verfügt. Die Art der Lackierung der Ersatzteile ist dabei bedeutungslos, da in solchen Fällen die Farbe sowieso komplett entfernt wird, mit einer Ausnahme und die betrifft die zuoberst angeordnete Platte auf welcher u.a. der Herstellercode aufgestempelt ist.

Etwas ist dabei sehr wichtig: Wenn man einer Selensäule von vor ca. 1950 einzelne neue Platten spendieren muß, dann ist unbedingt darauf zu achten, daß diese auch aus solchen Säulen entnommen werden, die aus dieser Ära stammen! Der Grund ist folgender: Die Sperrspannung der alten Selenplatten beträgt weniger als 10 Volt, die der moderneren Säulengleichrichter ist hingegen knapp doppelt so groß. Modernste Selengleichrichter bringen es gar auf 30 Volt! Einfach zu erkennen an der Zahl der Platten. Also, bezogen auf 220V Einweg, bei 12 oder 13 aktiven Platten ist es ein moderner Typ, Ältere Säulen haben doppelt soviele Platten Bei einer Zweiweg-Säule verdoppelt es sich dann logischerweise. Aktive Platten deshalb, weil oftmals eine, manchmal auch zwei Blindplatten isoliert von der Säule montiert wurden.

Zuerst werden die Platten einzeln mit Nitroverdünner abgewaschen. Sind danach noch irgendwelche Anomalien zu erkennen, so werden auch diese Exemplare ausgesondert. Nun muß die fehlende Anzahl von Platten aus dem Fundus ergänzt werden. Alle anderen Teile wie die Isolier- und Distanzröllchen, die Kontaktfedern, Muttern und Anschlußfahnen werden nun ebenfalls gründlich mit Nitroverdünner abgelaugt. Danach kann man den Gleichrichter wieder montieren. Bei einer Einwegsäule sollte es nun gar keine Fragen geben, bei Zweiwegsäulen oder gar solchen in Brückenschaltung empfiehlt es sich vor der Zerlegearbeit, die Positionen der einzelnen Anschlußfahnen und auch die der Kennzeichnungsplatte(n) per Digicam zu dokumentieren - ein Klick kann viel Arbeit ersparen

Die montierte Säule wird nun mit etwa einem Fünftel ihrer Nennspannung beaufschlagt. Ein Ladekondensator ist nicht erforderlich. Die Belastung richtet sich nach der Fläche der einzelnen Platte. Einen Anhalt liefert, so vorhanden, der Aufdruck; einen zweiten Anhalt errechnet man sich aus der Summe der Röhrenströme + 10% Aufschlag. Diesen Strom muß ein intakter Gleichrichter liefern können ohne daß er zu heiß wird. Moderne Multimeter haben oft einen Temperaturfühler beiliegen. Damit kann man den Patienten überwachen. Die Spannung wird langsam - das kann durchaus ein paar Stunden dauern - hochgefahren, wobei die Temperatur als Gutanzeige dient. Bei normaler Belastung soll sie nicht wesentlich über 50°C betragen. Bei 100° wird es sehr kritisch! Sofort die Spannung abschalten und die Säule abkühlen lassen. Erst dann einen neuen Versuch starten. Wenn er auch hier sobald wieder extrem aufheizt, muß die Spannung beim nächsten Versuch noch weiter, auf ca. ein Achtel der Nennspannung, verringert werden.

Geduld ist auch hier der Schlüssel zum Erfolg.

Hat unser Patient schließlich die volle Betriebsspannung klaglos erreicht, wird er mit der Schaltung verbunden und muß hier erstmal zeigen, daß er der Aufgabe auch unter Praxisbedingungen gewachsen ist. Lade- und Siebelko müssen dabei freilich tadellos sein! Erst wenn auch bei diesem Test über mehrere Stunden keine überhöhten Temperaturen mehr gemessen werden, kann das Teil als geheilt betrachtet werden. Es muß beachtet werden, daß die eingebaute Säule wegen der schlechteren Belüftung und ggfs. zusätzlicher Wärmestrahlung von benachbarten Röhren, eine höhere Betriebstemperatur haben wird! Darum sollte eine außerhalb des Gehäuses freistehende Säule nicht wärmer als ca. 50° werden.

Abschließend Erfolgt die notwendige Lackierung. Die originale Blindplatte dient als Farbmuster und wird natürlich sauber abgeklebt, ebenso die verzinnten Enden der Anschlußfahnen. Die Gewindestange spannt man vorsichtig in eine fixierte Bohrmaschine und läßt diese auf ganz langsamer Drehzahl arbeiten. Nun mit der Sprühflasche den ausreichend dicken Farbauftrag vornehmen. Etwas kritisch ist dieses bei "nackten" Plattengleichrichtern. Der Transparentlack ist sehr schlecht zu erkennen. Man behilft sich dabei mit einer Reflektorlampe, welche im entsprechenden Winkel die Platten beleuchtet. Jetzt kann man den feuchten Glanz auf den ansonsten stumpf erscheinenden silbrigen Platten besser sehen. Geht natürlich nicht im Freien! Allerdings gibt es auch alte Selensäulen, die unlackiert waren - das stellt man ja einfach bei der Demontage fest.

Es soll bedacht werden, daß der Lack auch eine Verschlechterung der Wärmeabstrahlung bewirkt, also nicht zu dick auftragen!

Nach ca. 20 Minuten kann die Bohrmaschine abgeschaltet werden und die Säule wird nun stehend gelagert bis der Lack sicher griffest ist.


Sollte es sich herausgestellt haben, daß der so reparierte Gleichrichter zu hochohmig ist um den erforderlichen Betriebsstrom zu liefern, dann ist das kein Grund diesen wegzuwerfen. In einem anderen, kleineren Gerät kann er mit Erfolg eingesetzt werden. Im Umkehrschluß baue ich auch lieber eine Selensäule mit etwas größeren Platten zusammen um ein Gerät zu komplettieren, anstatt auf Siliziumdioden als letzte Notlösung auszuweichen. Keine Bedenken gegen Dioden habe ich, wenn es sich um eingehauste Gleichrichter handelt, welche nicht mehr reparabel sind. Der Einbau elektrisch passender Ersatzplatten scheitert nicht selten an deren Geometrie.

Fazit: Eine Selensäule wird nach Jahrzehnten der Lagerung nie mehr ihre vollkommene Leistungsfähigkeit erreichen. Sie kann aber in sehr vielen Fällen durchaus noch für einen sicheren Weiterbetrieb des Apparates ertüchtigt werden. Das ist im Prinzip wie mit den alten Becherelkos. Jedes weggeworfene Teil ist ein Stück unwiederbringliche Geschichte. Es kann nicht alles erhalten werden, man sollte es aber wenigstens versuchen. Der behelfsweise Einbau einer roten LED anstelle einer nicht beschaffbaren Kontrollglimmlampe mag ja gerade noch hinnehmbar sein. Eine LED-zeile anstatt einer Amplimeterröhre ist, wenigstens für mich, nicht mehr akzeptabel.

Steffen Thies schrieb
Zitat:
Habe ich richtig verstanden, daß es nur möglich ist, mangelnde Sperrfähigkeit zu verbessern, nicht dagegen erhöhten Durchlaßwiderstand?


Das ist völlig richtig.
Die verringerte Sperrfähigkeit entsteht wie gesagt bei stromloser Langzeitlagerung. Dieser Mangel verhindert einen ordnungsgemäßen Betrieb des Gerätes und wenn dies dennoch versucht wird dann kommt es in jedem Falle zu irreparabler Schädigung des Halbleiters durch thermische überlastung, die zum Abschmelzen der Zinnschicht führt, in Folge dann kommt es zu einer sehr markanten Duftentwicklung - er riecht. Nach der "Schwitzkur" ist der Durchlaßwiderstand jenseits von "gut und böse"; damit hat dieses Bauteil sein Leben gelebt.

Es ist also prinzipiell genau wie bei Elkos - ungestümer Forscherdrang wird eben (fast immer) bestraft! Nur Geduld gibt die Chance, solche kaum noch beschaffbaren Bauelemente zu erhalten. Garantie, daß jedes Bauteil wiederbelebt werden kann gibt es freilich nicht. Ich versuche es aber dennoch immer. Die kleine Mühe mache ich mir eben.

Es dauert eine Zeit, ehe man selbst auf dem Punkt angekommen ist, daß man der bohrenden Neugier nicht mehr erliegt. Dafür gibt es kein Rezept, diesen Punkt muß jeder Sammler für sich selbst herausfinden.
_________________
Grüße aus der Lausitz von MichaelZ.

Die Reform der Rechtschreibung ist ein Symptom dafür, daß die Deutschen ihre Sprache nicht lieben.
(Eugen Ruge, Schriftsteller, 2018)
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