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Autor: mike jordan Verfasst am: 18.01.2009, 17:00 Betreff: Preislisten - R?hren und Transistoren 1953 und 1956
Lieber Leser hier im Forum.

Heute kann man an vielen Stellen lesen, dass die Preise für Röhren sehr oder zu hoch seien.

Ich habe deshalb aus meiner Sammlung drei Preislisten von drei Herstellern hier eingestellt, die ein unterschiedliches Programm hatten.
Alle Preise sind gebundene Verkaufspreise von 1953.

Dazu muss man beachten, dass der Brutto-Stundenlohn eines Facharbeiters zwischen 1,30 und 1,50 DM betrug.
Einen Röhrensatz für einen Selbstbau Zweikreiser musste man "ansparen"
EF41, EF40 und EL41 kosteten 30,50DM.

Wenn man damals um 1956 sich einen einfachen 4 Transitor-Verstärker bauen wollte,
und neue Transistoren einbauen wollte, mussten für 2x OC71 20,40 DM und für die 2x OC72 26,00 DM bezahlt werden. Zusammen 46,40DM, eine Summe die nur wenige aufbrachten.
Dazu kamen ja noch der Treiber- und Ausgangs- Trafo.








In den Bastell?den gab es Mängelexemplare die statt 12 oder 16 Volt nur 3 bis 4,5V verarbeiten konnten.
In den Zeitschriften gab es Typen: OC gelb, OC Grün usw. Diese um 3,00 bis 4,00 DM.

Daraus kann man ersehen, dass die neue Technik sehr kostspielig war.
Auch die Hersteller von Geräten mussten viel Geld anlegen, was das Sparen bei vielen Radios im rechten Licht erscheinen laesst.
Das ist das Hauptanliegen das zu zeigen.

Das sollte man bedenken, wenn man heute jammert es sei alles so teuer.

Mike jordan 18. Januar 2009


Autor: MGW51 Verfasst am: 18.01.2009, 23:48 Betreff:
Das sind sehr interessante Dokumente! Etwas in dieser Art habe ich auch noch zu bieten - natürlich nur von den DDR-Röhren und Halbleitern sowie ein paar "Friedenspreise".

Lieber Mike, ich denke daß das Ph?nomen des barmens über teure Teile schlicht damit zu tun hat, daß die allgegenwärtige Ihbeeologie den Leuten suggeriert, daß es nicht sein kann ein komplettes Gerät (über dessen Zustand man bestenfalls spekulieren kann) für Fuffzehnfuffzich abzufassen um dann für eine einzige Röhre genausoviel oder gar ein Vielfaches dessen zu löhnen. Das leuchtet einfach nicht ein!

Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt: Viele Sammler und Bastler sind finanziell gehandicapt. Sie gehen ihrem Hobby nach, um nicht aus Langeweile "zu verblöden". Menschen mit einem gewissen Bildungsniveau müssen sich einfach "austoben" können, sich sinnvoll beschäftigen - so daß körperlichen und geistigen Anforderungen Gerechtigkeit widerfährt. Sie haben keine Alternative denn die Gesellschaft hat sie einfach "ausgespuckt", sie als nutzlos gewordene Kostg?nger zu SozialhilfeEmpfängern deklassiert. Das ist entwürdigend - und das Portemonnaie aus Zwiebelleder als Dreingabe nicht weniger.


Autor: mike jordan Verfasst am: 19.01.2009, 00:40 Betreff: Antwort
Hallo Michael und Leser.

Ich habe und hatte auch nicht die Absicht, jemanden auf die Fuesse zu treten.
Wollte aber den wahren Grund nennen, warum ich die Preise hier einstelle.
Die Leser von heute, haben doch keine Vorstellung wie gut es uns damals ging!

Ich habe mir 1952 einen NF- Verstaerker gebaut, um meinen UKW-Pendler mit 1x RV12 P2000 zu hören.
Die ECC40 13.- DM, 14,60 Euro bei BTB heute. Eine EL41 10,50 DM bei BTB heute: 20,30 Euro.
Der umstrittene Mindestlohn heute= 10,00 Euro.

Ich hatte mir aber schon mal den Mund verbrand mit Preisen hier irgendwo.

Daher will ich das auch beenden. Gruss mike


Autor: 19null5 Verfasst am: 19.01.2009, 00:57 Betreff:
Quittung von 1949:




___________________
Viele Grüße aus Athen,
Hajo


Autor: MGW51 Verfasst am: 19.01.2009, 01:01 Betreff:
mike jordan schrieb wie folgt:
Ich hatte mir aber schon mal den Mund verbrand mit Preisen hier irgendwo.


Ach n?, das muß ein Gerücht sein :Wink:

Lieber mike,
ich bin schon dafür, solche Themen auszudiskutieren. Woher auch sollen junge Menschen die Zusammenhänge kennen? Das hat mit auf die Füße treten nach meinem Verständnis nichts zu tun. Der allgemeine Fehler, der nahezu immer gemacht wird wenn es um Preise geht besteht doch letztendlich darin, daß man nur den Preis eines bestimmten Produktes vergleicht. In diesen Vergleich fließen aber die äußeren Umstände nicht mit ein!

Du hast das hier ganz prima mit dem Hinweis auf damalige Stundenl?hne verbunden - so wird eher ein Schuh daraus, wobei eben die Lebenshaltungskosten in den frühen 50-ern mit denen der folgenden Jahrzehnte nicht vergleichbar sind. Auch nicht in Ost und West - hierzulanden war ein Facharbeiterstundenlohn von 1,50 erst ca. 10 Jahre später der Standard.
Seinerzeit konnten die Menschen mit DM 1,50/h gut leben - heute bekommen sie EUR 1,50/h und müssen nebenher noch "Stätze" kassieren weil sie mit diesem "Lohn" alleine nicht überleben könnten. Da ist irgendwo der Wurm drin - nur werden wir ihn nicht herausholen können!
Das ist keine einfache Materie - und man kann dabei oder darüber prima streiten. Eine Marotte von mir: Um Preise von Industriewaren aus unterschiedlichen Epochen zu "vergleichen" rechne ich diese in Semmeln um. Das sorgt für Heiterkeit - und Nachdenklichkeit.
Hoffentlich...


Autor: 19null5 Verfasst am: 19.01.2009, 01:30 Betreff:
MGW51 schrieb wie folgt:
Um Preise von Industriewaren aus unterschiedlichen Epochen zu "vergleichen" rechne ich diese in Semmeln um. ...


Micha, sag: Brötchen! "Semmel" wird so unterschiedlich in D interpretiert.

für uns "Lausitzer" (ich bin ja auch einer) ist die Semmel ein "DoppelBrötchen".


_________________
Viele Grüße aus Athen,
Hajo


Autor: Nils Verfasst am: 19.01.2009, 13:32 Betreff:
Und das Umrechnen in Semmeln taugt auch nicht gut zum Vergleich von Ost/West...

Eure Semmeln waren staatlich subventioniert Wink

Das Umrechnen und der Vergleich mit dem durchschnittlichen Netto-Stundenlohn (im selben Land und gleicher Zeit) ist schon eine ganz aussagefähige Angelegenheit

Sprich, wie lange mußte ein Arbeiter in der BRD oder in der DDR für eine neue EL11 arbeiten ?

Das ist schon eine objektive Sache find ich .


Autor: TipFox Verfasst am: 19.01.2009, 19:22 Betreff:
Ich denke, Mike hat was anderes gemeint.

Es ist zwar so, wie Michael sagt: tatsächlich können sich viele ihr Hobby kaum noch leisten und wenn man die HinterGründe bedenkt, ist das ein einziges Trauerspiel ...

Andererseits muss ich auch sagen, dass unglaublich viel "gejammert" wird. Als ich Ende der 60er am Schaufenster des einzigen Elektronikladens stand und mir den OC71 für 4,50 DM nicht leisten konnte, ging mein nächster Weg in die Stadtb?cherei - die war fast umsonst :Wink: . "Jammern" hätte mich nicht weitergebracht - zumal auch niemand zugehört hätte.

Es ist einfach nicht wahr, dass das früher einfacher war - ganz im Gegenteil. Das sogenannte "Wirtschaftswunder" hat sich (wie so vieles) leider nicht bis hin in die kleinen Arbeiterfamilien durchgesetzt - wenn man mal davon absieht, dass es für Arbeiter vorher so gut wie keine Chance auf ein Eigenheim gab ...das ging nun, schließlich brauchte man Schuldner.

Heute ist das Geld wieder "knapp" - aber der Umgang mit diesem Zustand lässt mich schon manchmal den Kopf schätteln.

Da gibt es Leute, die hungern buchstüblich, um ihre Staussymbole (Auto, 2 * Urlaub + + + ) behalten zu können, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich fahre schon seit 1980 kein Auto mehr ...
Zuletzt bearbeitet von TipFox am 20.11.2013, 15:23, insgesamt einmal bearbeitet


Autor: JuergenK Verfasst am: 19.01.2009, 23:38 Betreff:
Zum diesem Thema der hohen Transistorpreise fallen mir die damals gelegentlich in IndustrieGeräten verwendeten Fassungen für Transistoren ein.

Die Fassungen gab es sowohl "passiv", also als reine Montage- bzw. Abstandshalter, als auch - wie bei Röhren - mit eigenen Kontakten! Die Transistoren wurden dort also in die Fassungen gesteckt, ohne mit der Schaltung verlötet zu werden.

Warum?

Wollte man bei den "kleinen" aber teuren Transistoren durch die Fassungen zeigen, dass sie den "großen Röhren" mit ihren Fassungen ebenb?rtig sind? Wohl eher unwahrscheinlich. Also doch wohl praktische Gründe.

Sollten die Abstandshalter verhindern, dass bei den teuren (GlasGehäuse-) Transistoren das Gehäuse in Mitleidenschaft Gerät, wenn man die Anschlüsse bei der erstmaligen Montage zu sehr biegt? Und ging man bei den Fassungen davon aus, dass die Transistoren öfters gewechselt werden müssen, ohne dass man dabei jeweils L?ten muß?

Ich glaube, diese Fassungen gab es sogar noch in den 70er Jahren, auch für TO-3-Gehäuse, also Endstufentransistoren. Das ist doch eigentlich eher uneffektiv, wegen höherer, zusätzlicher Kosten für die Fassung und die zusätzliche Gefahr von Kontaktproblemen. (Oder waren die da nur noch für Bastler?)

Irgendwie für mich verwirrend :II:

JuergenK


Autor: MGW51 Verfasst am: 20.01.2009, 01:03 Betreff:
Ein Grund für die Fassungen bei Halbleitern ist deren Temperaturempfindlichkeit. Es war ja dazumal alles auf Germaniumbasis und da geht es schnell ins Nirwana. Die Platinen wurden ja im Schwallverfahren gelötet, das Risiko eines Bauteileausfalles - noch dazu wenn die Beine drastisch gek?rzt wurden - war einfach zu hoch als daß der Preis der Fassung dabei ins Gewicht fiel.

Im Körting Stereo-Tonbandgerät MT118 stecken die beiden OC's auch in eigenen Fassungen und das ist gut so. Da kann man wenigstens problemlos auf geringstes Rauschen aussuchen. Mit Ein- und Ausl?ten eine Zumutung und zudem kann das dann schon reichen Sad


Autor: MGW51 Verfasst am: 20.01.2009, 01:34 Betreff:
Lieber Nils,

MGW51 schrieb wie folgt:
Das sorgt für Heiterkeit - und Nachdenklichkeit.

ganz bewußt auch Nachdenklichkeit. Will sagen, daß in unserem Stück Deutschland gänzlich andere Wertigkeiten herrschten darf man nie außer Acht lassen - sonst wird es eine Milchm?dchenrechnung. Wie Du ganz richtig anmerkst, wurden Semmeln = DoppelBrötchen (so wie u.a. alle Grundnahrungsmittel) zu staatlich festgesetzten Preisen verkauft. Ein Brötchen kostete eben 1950 genausoviel wie 1989, also 5 Pfennige. Die Arbeitseinkommen hingegen stiegen langsam aber +/- kontinuierlich an. Als Korrektiv für den Geldkreislauf dienten die Industriewaren, welche eben - anders als in Westdeutschland - ebenso systematisch nach oben gingen. Ausnahmen gab es dennoch immer wieder mal, so bei Halbleitern, die in den frühen 70-ern eine erste drastische Preiskorrektur nach unten erfuhren. Dennoch kumulierten die Spareinlagen der Bevölkerung eher logarhytmisch denn linear und so mußte ein weiteres Korrektiv her. Das hieß Luxuswaren, nicht selten Importe aus Japan und Westeuropa. Die Preise dafür waren das, was man heutzutage als Mondpreise bezeichnet. Ein Radiorekorder, SANYO M4500KE konnte man für ca. 3,5 TM erwerben - wenn man meinte den besitzen zu müssen. für einen Blaupunkt Farb-TV 59-er oder 63-er Bildrohr mußten dann schon zwischen 5 und 6,5 TM locker gemacht werden und - letzteren gab es nur "unterm Tisch". Der Chromat (Staßfurt) kostete zur gleichen Zeit 3,4 TM und war mit der 59LK3Z auch nicht besser Mr. Green

Und schließlich gab es noch eine Devisenbeschaffungsstrategie, welche sich den Umstand zu nutze machte, daß in der DDR die Bedarfsdeckung mit hochwertigen Konsumg?tern dem tatsächlichen Bedarf um Längen, teilweise um mehrere Jahre, sogar um Jahrzehnte hinterherkroch. Bei FarbTV soll es teilweise bis zu 3 Jahre Wartezeit gegeben haben - ich kann das nicht bestätigen aber eben auch nicht rundweg verneinen. Bei PKW waren ab 10 bis 15 Jahre normale Wartezeit und bei Nutzfahrzeugen für den privaten Sektor sah es noch weitaus grausiger aus. Gut dran war wer Westverwandschaft hatte! Da gab es all die Sachen, bis hinauf zum Kleintransporter B1000 innert weniger Tage oder Wochen frei Haus geliefert. GENEX - Geschenkdienst nannte sich diese Einrichtung, bei der die Westtante mal ein paar D-Märker locker machen mußte um der Ossiverwandschaft einen Wunsch zu erfüllen der ansonsten Wunsch bleiben mußte. Wenigstens bei solchen Sachen wie es ein Barkas eben war. Bei kleineren Dingen mutet es geradezu grotesk an, daß es die soll nicht gegeben haben - Stimmt auch nicht, es gab sie wirklich in ausreichender Menge! Es war dann eben wirklich ein ganz normales Geschenk. So wie z.B.ein Kofferplattenspieler, Röhre, mono, vom Funkwerk Zittau. Was das Gerät über GENEX gekostet hat, kann ich wirklich nicht sagen. Es war jedenfalls nicht umwerfend. Normal war bei solchen Dingen ein Preis der ca. 60 - 70% unter dem DDR-Preis lag - wenn man vom Zahlenwert ausgeht!



Tja, solche Sachen gab es - für die heutige Generation ebensowenig vorstellbar wie es für die, welche das nicht kennen nachvollziehbar ist.

Und hier bin ich wieder beim Brötchen, oder der Schrippe wie der Berliner sagt.
Das ist ein besserer VergleichsMaßstab als der Stundenlohn denn essen muß ein jeder, egal wo er lebt. Aber es ist natürlich richtig, daß man dann auch den "?rtlichen" Brötchenpreis heranzieht - sonst kann das überhaupt nichts werden Smile Klar, wir Ossis haben es da einfacher weil wir nicht lange überlegen en. Ein Brötchen hat bis zum letzten Tag der DDR eben 5 Pfennige gekostet. Absurd freilich, aber das brauchen wir jetzt nicht auch noch analysieren.

Die EL11 übrigens hatte zu ihren "Lebzeiten" in der DDR 17,40 DM bzw. MDN gekostet. Dafür konnte man ganz schön viel Furage bunkern Smile
Im 1939-er Handbuch steht sie mit 8 Reichsmark drin. Das ist auch kein Schleuderpreis!

Und da fällt mir in dem Zusammenhang noch ein, daß es in den Endsiebzigern zwar einen Abverkauf von Röhren zu Schleuderpreisen gab, aber das bezog sich ausschließlich auf die modernen Noval und Miniaturröhren! Die Stahlröhren und auch Magnoval sind eigentlich nie "verramscht" worden...

So gesehen kosten eben Röhren zum Basteln heute recht wenig Geld! Ausnahmen gibt es freilich auch - die werden aber vom Markt und ein paar Fetischisten getrieben und stehen wirklich in keinem verhältnis zum Wert der betreffenden Röhre.

Und jetzt bin ich mal gespannt, wer eine Erklärung dafür findet, daß auf der Quittung von Hajo die EL11 mit 20 Mark ausgewiesen ist :Wink:



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