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Autor: TipFox Verfasst am: 19.07.2015, 20:50 Betreff: Braun SK2/2, Restauration
Der Braun SK2/2 ist ein schönes kleines Radio mit MW und UKW aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts. Heute würde man wohl "Küchenradio" dazu sagen Wink

Ich habe es bereits vor längerer Zeit über EBay ersteigert und nun soll es endlich in Betrieb gehen.

Zunächt einmal ein paar Bilder des Zustandes:
















An Stelle eines Netzsteckers ist ein Fußschalter angebracht - das lässt darauf schließen, dass der interne Netzschalter defekt ist.

Ansonnsten sieht das Gerät noch ganz brauchbar aus, keine derben Verbastelungen erkennbar. Die Teerkondensatoren sehen leider alle so aus, dass ich sie nicht mehr nachmessen, sondern gleich ersetzen werde ...

Das Gehäuse allerdings: Au Weia! Das ehemals bakelitfarbene Gehäuse wurde mit einem völlig ungeeigneten Sprühlack auf "modern black" gespritzt. Die Farbe würde mir schon gefallen, nur leider bröckelt der Sprühlack an allen Ecken und Kanten. M.a.W.: das muss komplett entfernt werden - mal sehen ...

Der graue Zierring der Sendereinstellung ist gebrochen und muss wohl geklebt werden, Ersatz wird es dafür kaum geben ...

Der jüngste Datumsstempel befindet sich auf dem Netztrafo: 14.10. 1958 ...

Zunächst wurde die Schaltung gesichtet und ein Arbeitsschaltplan erstellt:





Als erstes wurden die Netzelko's über Nacht am Blitzwandler reformiert. Danach hatten beide eine Kapazität von ca. 30µF. Das reicht völlig und daher muss der Doppelelko nicht ersetzt werden.

Der Ratio-Elko hatte auch noch seinen Sollwert und konnte im Gerät verbleiben.

Die markierten Kondensatoren ("aust.") wurden durch neue Folienkondensatoren ersetzt. Der "Aü"-Killer an der Anode der EL84 wurde entfernt und stattdessen ein neuer Kondensator über den Aü gelegt.

Dann ging es an den Netzschalter. Verwirrend war zunächst, dass es keinerlei Durchgang im Schalter gab - aber auch keine Verdrahtungsänderung - wie sollte das also mit dem Fußschalter funktioniert haben ???

Nun, nach einigen Betätigungen des Schalters blieb der Schalter im Zustand "Durchgang" (25...1000 Ohm) hängen, damit war die Sache klar: der Schalter klemmt sowohl im An- als auch im Auszustand zeitweise fest.

Der Schalter ist am Lautstärkeregler angeflanscht - d.h. das Ding musste ausgebaut und zerlegt werden (so ein Poti mit Schalter findet man nicht an jeder Ecke ... ).

Hier einige Bilder vom Ablauf:











Der Schalter war mit zwei Messingnieten am Poti befestigt, diese konnte man in diesem Fall mit einem Teppichmesser leicht abschneiden und die verbleibende Hülse herausziehen. Danach ließ sich der Schalter einfach abnehmen. Die Mechanik des "Schnappers" war "furztrocken" und wurde mit Silikonspray wieder gängig gemacht. Danach schnappte der Kontakt wieder brav von "An" nach "Aus" - nur Kontakt gab es keinen. Der bisher unbenutze Kontakt arbeitete enwandfrei, aber der aktive Kontakt lag bei 100 Ohm ... 1 Megaohm.

Erst nachdem ich die Kontaktstifte im "Schnapper" mit einem Glasfaserstift gereinigt hatte, gab es endlich Kontakt und ein Aufatmen Wink. Denn Eines ist klar: wenn hier der Fehler unterhalb der Kontaktfedern gelegen hätte, wäre jeder Reparaturversuch aussichtlos - jedes Einzelteil ist genietet ...

Zum Abschluss wurden die alten Nieten wieder eingesetzt und dienen jetzt als Hülsen für 2 kräftige Schaltdrähte, die nun den Schalter am Poti festhalten.

So sieht es fertig aus - wie man sieht, werden nun beide Kontakte verwendet - parallelgeschaltet :





Nach Wiedereinbau des Schalterpotis wurden auch alle Röhren (alles TFK-Röhren) wieder eingesetzt und das Gerät in Betrieb genommen.

Alles Paletti - auf Anhieb Wink

Die Spannungen liegen alle etwas höher, als im Schaltplan angegeben. Das liegt einerseits an den heute üblichen 230V Netzspannung, aber auch am hohen Innenwiderstand des verwendeten Digitalmultimeters...
Ich sehe darin kein Problem, auch wenn das Gerät recht warm wird. Bei dem gedrängten Aufbau ist das wohl auch normal.

Der MW-Empfang ist ohne zusätzliche Antenne kaum möglich. Mit einem angeschlossenen UKW-Faltdipol (der dann auch als MW-Antenne funktioniert) bekommt man dann einige Sender.

Auf UKW ist der Empfang damit absolut einwandfrei !

Nun muss ich mich also "nur noch" um das Gehäuse kümmern - ich fürchte das dauert etwas. Ich werde berichten Wink

Bis dahin darf das Radio noch offen glühen :





Autor: TipFox Verfasst am: 26.07.2015, 13:08 Betreff: Gehäuse, Zwischenstand
Es war sehr langwierig und schweisstreibend - aber nun ist der alte Lack 'runter und das Gehäuse wieder in einem annehmbaren Zustand.

Um die Gehäusesubstanz nicht zu sehr zu schädigen, wurden auf "schärfere" Chemikalien verzichtet und statt dessen abwechselnd Sodalauge und Zitronensäure zum Aufweichen des Lackes verwendet. Dieser musste dann mit einem Kunststoffspachtel vorsichtig abgeschabt werden.

Anschließend wurde geschliffen, erst mit 400er Korund, dann mit 1000er und schließlich mit Polierpuder poliert...

So sieht das nackte Gehäuse nun aus und so bleibt es auch, wird also nicht neu gespritzt:





Es sind noch ein paar Restarbeiten zu erledigen, aber ich denke ich kann hier bald das Ergebnis vorstellen Wink


Autor: TipFox Verfasst am: 27.07.2015, 16:14 Betreff: Endergebnis
Die Restauration des Braun SK2/2 konnte heute abgschlossen werden, hier ein Bild des fertigen Gerätes:






Ich finde, das sieht so wieder ganz manierlich aus und funktioniert auch ausgezeichnet Wink


Schlussbemerkungen zum Gerät:

- das Gerät nutzt die Leistungsfähigkeit der EL84 nicht voll aus, die Röhre dürfte "ewig" halten ...

- das Gerät hat keine Einstellung für 240V, man muss es also auf 220V-Stellung mit den heutigen 230V betreiben. Das ist zwar grundsätzlich kein Problem - allerdings wird das Gerät dadurch natürlich etwas wärmer, höhere Spannung = höherer Strom und damit höhere Leistung und Wärmeverluste...

Wenn man sich das Typenschild näher ansieht, erscheint es bräunlich verfärbt. Nun, es klebt genau auf der Rückseite des Einweggleichrichters, d.h. hier wurde es auch bei 220V schon sehr warm.

Für einen Dauerbetrieb ist dringend ein vorgeschalteter Anpassungstrafo (z.B. ein 12V-Trafo als "Step-Down") oder ein Umbau auf Brückengleichrichter zu empfehlen!

Zum gelegentlichen Betrieb, auch über ein paar Stunden, ist das nicht unbedingt erforderlich. Der Trafo wird bei längerem Betrieb ca. 60° warm. Das ist für damalige Trafos durchaus normal, aber schon am oberen Ende ...



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