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Autor: Marcus Verfasst am: 02.07.2007, 19:33 Betreff: Bandmaterial: BASF Lextra
Hallo in die Runde,

bei meinem letzten Flohmarktbesuch habe ich ein Studioband "BASF Lextra, ca. 28 cm Durchmesser" gekauft.

Das Band ist extrem dick und die Schichtseite liegt außen.

Im Internet habe ich nur "ergoogelt", daß das Band wohl aus den 50er oder 60er Jahren ist.

Wer kann mit weiteren Infos helfen z.B. mit welcher Geschwindigkeit solche Bänder üblicherweise aufgenommen wurden.

Viele Grüße Marcus


Autor: MGW51 Verfasst am: 02.07.2007, 19:53 Betreff:
Hallo Marcus,

ich kenne diese BASF-Bezeichnungen nicht.
Wenn Du 28cm Schreibst, gehe ich davon aus, daß das Band auf einem Bobby gewickelt ist; kein Vorspann.

Extrem dick - naja, vielleicht wenn man es mit 25-er Zeug von Heimbandgeräten vergleicht. Es wird normales Rundfunkband = Normalband sein, also 50 bis 60?m dick, wie es im Studiobetrieb nunmal unumgänglich ist, aber auch auf Amateurmaschinen gefahren wird.

Diese Bänder sind für 76,2 bzw. 38,1 konzipiert, manche Typen auch für 19,05. Nun mußt Du mal schauen, ob es Cello, also Acetylzellulose als Träger hat. Dazu genügt es, den Wickel mal gegen die Sonne zu halten. Wenn man durchsehen kann, ist es AC; bei manchen AC-Bändern von AGFA Wolfen klappt der Trick allerdings nicht so einfach! Dann gibt die Rei?- bzw. Brechprobe AufSchluß oder du nimmst etwas Aceton bzw. Nagellackentferner. Damit kann der Celloträger angelöst werden.

Wenn der Träger dem Lösemittel widersteht, dann hast Du ein Polyestherband, also schon was modernes.

Nun mal schauen, ob die Rückseite beschichtet ist oder einen fortlaufenden Typ- / Chargennummerndruck hat. Hierzulanden, in Ostelbien, wurden Polyestherb?nder nicht mehr bedruckt, ausgenommen bei vorhandener Rückseitenmattierung.

Noch soviel: Die Dicke des Senkels kann nicht unterschritten werden ohne den Kopiereffekt zu verst?rken. Das ist der Hauptgrund für das Festhalten am Normalband in den Rundfunkanstalten und guten Tonstudios. Kommt noch hinzu, daß das Normalband engen Normen bezüglich seiner magnetischen Eigenschaften unterliegt und selbstverständlich auch mit ganz anderen Pegeln fertig wird, als das ein typisches Amateurband tut. Auch wenn auf der Schachtel "Professional" drauf steht. Das bezieht sich ehestens auf den Preis Mr. Green


Nachtrag:
Schicht außen ist der Normalfall bei Deutscher Spurlage.


Autor: Marcus Verfasst am: 02.07.2007, 21:43 Betreff:
Hallo Michael,

vielen Dank für die schnelle Antwort.

Hier kurze Infos zu den einzelnen Punkten:
  1. ist auf Bobby gewickelt ohne Vorspann

  2. die Dicke entspricht in etwa der eines Normalbandes

  3. hier im Rheinland ist der Trick mit dem "gegen die Sonne halten" mangels Sonne bis auf weiteres nicht möglich.
    Wenn ich das Band durchrei?e, zieht es sich nur wenig in die Länge, daher ist es vermutlich kein Polyesterband.

  4. die Rückseite ist mit Typ und vermutlich der Chargen-Nummer bedruckt: BASF L EXTRA 27 1789 usw.


Ich habe einen Scan von der Schachtel gemacht den ich aber erst einstellen kann wenn ich für den Bilderserver freigeschaltet bin (sofern ich das System recht verstanden habe).

Viele Grüße Marcus


Autor: MGW51 Verfasst am: 02.07.2007, 22:58 Betreff:
Also gut, wenn das mit der Sonne nichts wird, bleibt nur auf den Vollmond zu warten Laughing

Die Rei?probe ist eindeutig: Celloband kracht mit einem harten Ruck glatt durch - man kann es problemlos auf Sto? hinterkleben und es fehlt kein Fizzelchen! Ach war das sch???n Smile

Wegen der Galerie gehe ich gleich mal.

Wenn ich Dich dort anlege, dann loggst Du einfach mit 2 x Marcus ein, anschließend gehst du ins "Kontrollcenter" und ?nderst Dein Kennwort ab.

Mal sehen, was ich heute noch schaffe; Du bekommst dann eine Ihmehl vom Galerieserver aus sobald Dein neuer Acount fertig konfiguriert ist.


Autor: 19null5 Verfasst am: 02.07.2007, 23:20 Betreff:
@ Marcus und Michael:

auf der Seite

http://www.hmaudio.se/band/rull/rull13.htm

erreichbar auch über unsere Linkliste, Bereich Datenbl?tter,

ist das BASF Lextra von 1949 als PVC-Band gelistet.


Autor: MGW51 Verfasst am: 02.07.2007, 23:42 Betreff:
Hammerhart!

Dann sollte es sich um ein Masseband handeln. Da wird es nichts mit durchgucken Shocked


Autor: Marcus Verfasst am: 03.07.2007, 00:49 Betreff:
Zun?chst vielen Dank für die zusätzlichen Infos.

Jetzt hoffe ich, daß die Bilder auch hochgeladen werden!





Glatt zusammenkleben kann ich die Reiistellen wirklich nicht, aber im verhältnis zu neueren Bändern, bei denen ich das einmal ausprobiert habe, ist die Dehnung vor dem Durchrei?en wesentlich geringer.

Viele Grüße Marcus


Autor: MGW51 Verfasst am: 03.07.2007, 02:52 Betreff:
Ja Marcus, hat doch erstmal gut geklappt.

Die PVC-Senkel kann man etwas ziehen, wenig zwar aber es geht. Mit Zellulosebändern ist das gänzlich ausgeschlossen.


Jedenfalls hast Du hier einen sehr schönen, weil außerordentlich seltenen Fang gemacht. PVC-Zweischichtb?nder sind schon weitaus seltener anzutreffen als solche mit Zellulosetr?ger und hier sollte es sich um Masseband handeln, das ist schon fast ein Relikt aus der Urzeit der Magnetbandproduktion.


Autor: MGW51 Verfasst am: 04.07.2007, 00:16 Betreff:
Hallo Marcus,

ich muß nochmal nachfassen!

Wie würdest Du denn die Farbe des Senkels beschreiben und wie ist die Oberfläche beschaffen?


Autor: Marcus Verfasst am: 04.07.2007, 10:13 Betreff:
Hallo Micheal,

dank der Hilfe von Hajo hat das Einstellen der Bilder doch noch richtig funktioniert; dafür auch hier noch einmal vielen Dank.

Die Farbe ist mittelbraun, die Oberfläche von beiden Seiten leicht glänzend. Ohne den Aufdruck würden die beiden Seiten identisch aussehen.

Zwischenzeitlich habe ich noch ein bi?chen "gegoogelt".

Auf der Seite wwwuseddlt.com/bandherstellung1.0.html steht allerhand Interessantes zum Thema.

Danach müßte es sich um den Typ "L" handeln. Die Bedruckung auf dem Band "L EXTRA" dürfte meine Vermutung bestätigen.

Bei dem Aufdruck auf dem Karton ist die Schreibweise "Lextra".

Ich werde heute abend einmal versuchen, ob ich mit meinem "modernen" 4-Spur-Gerät dem Band irgendwelche Töne entlocken kann.

Viele Grüße

Marcus



Edit Admin:
Link unbrauchbar gemacht und Zitat von dort entfernt.
Diese Seiten sind keinesfalls empfehlenswert weil die dortigen Aussagen sehr oft falsch sind. für den der nicht in der Materie drin steckt, ist das leider kaum erkennbar. Bei Gurgel ist es wie im richtigen Leben: Im K?hlregal soll man auch nie das greifen was ganz vorne steht
:Wink:


Autor: Phonomax Verfasst am: 13.07.2007, 21:02 Betreff:
Lieber Marcus,

eben erst werde ich auf die Diskussion zum Lextra aufmerksam.

Lextra war das letzte Masseband der BASF und wurde von 1949 bis 1954 für den professionellen Markt gefertigt. Wie bei Massebändern üblich bettete man die Schicht in einen PVC-Träger ein.

Aufgrund der Herstellungszeit kann kein Zweifel an der Konzipierung des Bandes für 77 bzw. dann 76,2 cm/s bestehen, wobei dich natürlich niemand daran hindert, es auch bei 9,5 cm/s einzusetzen. Die Folgen werden dich allerdings darüber aufklären, warum ich so eindeutig für 76,2 cm/s votiere und letztlich auch die Verwendung auf ausgewiesenen Profimaschinen empfehle, die die notwendige löschenergie aufbringen.

Die Daten kannst du von mir haben oder z. B. in Friedrich Krones' Arbeit von 1951 nachlesen. Die Anorgana in Gendorf hatte ein prinzipiell 'baugleiches' Band im Programm, das allerdings qualitativ (allem voran in der Aussteuerbarkeit) schlicht katastrophal ausfiel und davon Zeugnis ablegt, dass in der Magnetbandgeschichte nominell Identisches keineswegs identisch sein muss.

Was ist denn auf dem Band mit welcher Bandgeschwindigkeit aufgenomMenü

Hans-Joachim


Autor: Marcus Verfasst am: 15.07.2007, 21:41 Betreff:
Hallo Hans-Joachim,

vielen Dank für die zusätzlichen Informationen.

Da ich nicht über das notwendige Gerät verfüge um das Band "normal" abzuspielen, hatte ich mir eine Konstruktion mit einem alten Plattenspieler zur Aufnahme der Spule gebaut.

Nun zu Deinen Fragen:

Die Bandgeschwindigkeit beträgt 77 oder 76,2 cm/s. Nach dem Kopieren (Abspielen mit 19 cm/s, Aufnahme mit 9,5 cm/s und anschließender Wiedergabe mit 19 cm/s) konnte ich wenigsten den Anfang des Bandes einmal "Probehören"
Auf dem Band ist vermutlich eine Messe. Das erste Lied ist jedenfalls "großer Gott wir loben Dich". Die Hintergrundger?usche lassen mich auf den Mitschnitt eines Gottesdienstes tippen.

Was mich noch interessiert: Wie lang (m) ist dieses Band eigentlich? Auf dem Karton sind keine Angaben dazu gemacht.
Viele Grüße

Marcus


Autor: 19null5 Verfasst am: 15.07.2007, 22:11 Betreff:
Hallo Marcus,

bei 28cm ? müßten es bei "Normalband" 1000m sein.
Noch 'ne Frage:
Ist es ein Bobby mit 10cm ? oder einer mit 7cm ?


Autor: Marcus Verfasst am: 16.07.2007, 09:45 Betreff:
Hallo Hajo,

der Durchmesser des Bobbys beträgt 10 cm.

Bei einer Länge von 1000 m müßte die Spieldauer also knapp 22 Minuten betragen.

Auf einem der Innenkartons befindet sich handschriftlich der Vermerk "B V". Vermutlich ist das vorliegende Band Nummer 5 einer Aufnahmereihe.

Viele Grüße

Marcus



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